In Rostock-Warnemünde testet das Deutsche Rote Kreuz Drohnen, die Menschen in Seenot retten können. Mit dem Abwurf einer Schwimmhilfe unterstützen sie die Rettungsschwimmer.

Vom Meer weht eine Steife Brise über die Strandkörbe hinweg. Kitesurfer pflügen über das Wasser. Eine junge Schwimmerin wagt sich trotz der frischen Temperaturen in die Fluten. Plötzlich ruft sie wild gestikulierend nach Hilfe. Die Rettungsschwimmerin Laura Blöchl löst Alarm aus und sprintet von der Plattform der Wasserwacht Richtung Meer.

Trockener Rettungsschwimmer: Lukas Knaup steuert die Drohne vom Strand zum Wasser

Sie ist diesmal nicht auf sich allein gestellt, sondern bekommt bei Ihrem Einsatz Luftunterstützung. Ihr Kollege Lukas Knaup schickt gleichzeitig eine mit Kamera ausgestatte Drohne in Richtung der Schwimmerin. Mit einem aggressiven Summen, das an einen Hornissenschwarm erinnert, rast das unbemannte Flugobjekt über die Rettungsschwimmerin hinweg zu dem Mädchen in Seenot. Konzentriert blickt Lukas auf das Display seiner Fernbedienung, über das er das Bild der Drohnenkamera empfängt. Per Knopfdruck gibt er den Befehl zum Öffnen eines Metallkäfigs, der unterhalb des Quatrocopters befestigt ist. Ein kleines Paket fällt zielgenau neben die Schwimmerin. In Sekunden hat sich ein gelber, etwa 40 Zentimeter langer Schlauch aufgepustet, der für die Verunglückte zum „Rettungsanker“ wird und sie vorm Ertrinken schützt. Wenig später erreicht auch Laura das Mädchen zieht sie zurück an den Strand.

 

Über Verunglückten öffnet die Drohne den Käfig, um die Schwimmhilfe abzuwerfen

Was sich wie eine Sciene-Fiction Version von Baywatch anhört, ist ein Übungseinsatz der Rettungswacht des Deutschen Roten Kreuzes. Seit Juni werden die fliegenden Helfer eingesetzt. Gemeinsam mit der Universität Neubrandenburg und mit der Unterstützung der ADAC Stiftung hat das Deutsche Rote Kreuz insgesamt 18 Drohnen für Mecklenburg-Vorpommern angeschafft. Allein drei davon kommen an Rostocks Küste zum Einsatz. Aufmerksame Strand-Urlauber können solche Szenen immer öfter live erleben. Denn es muss viel geübt werden, damit sich die Rettungsschwimmer an ihre neuen Kollegen gewöhnen.

Aufgeblasen wird die Restube zur Schwimmhilfe, zusammengefaltet (rechts) passt sie in die Drohne

Lukas Knaup war der erste, der einen der Quadrocopter in die Luft brachte. „Gerade für schnelle Hilfe und Sucheinsätze ist das eine gute Sache“, erklärt er, während sein Fluggerät vom Meer zurück zur Station kommt. „Verunglückte bekommen so in der Zeit, bis menschliche Hilfe eintrifft, schon einmal etwas zum Festhalten. Das ersetzt den Rettungsschwimmer nicht, sondern unterstützt unsere Arbeit“.

 

Sanft landet die Drohne im Sand vor der Station. Trotz Windstärke sechs konnte der Einsatz erfolgreich beendet werden. Routinemäßig kontrolliert Lukas das Gerät und setzt einen neuen selbstaufblasenden Schlauch ein. Auch wenn die Übungen Spaß machen: Er hofft, dass der fliegende Rettungsschwimmer nicht oft zum Einsatz kommen muss.

Autor, Video: Hans Pieper
Bilder: Christian Rödel